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Packet-Radio Interessengemeinschaft DBØEAM e.V.

 

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Packet-Radio in Nordhessen

Vom Aussichtsturm zum Digipeater.

DBØEAM auf dem Bärenberg bei Kassel ist zu einem stark benutztem Knotenpunkt im Packet-Radio Netz geworden. Von der Idee bis zur Realisierung des Projektes war es jedoch ein weiter Weg.

turm_alt Oberhalb der A44 in der Gemarkung Zierenberg auf dem 601 m hohen Großen Bärenberg errichtete die Gemeinde Zierenberg Anfang der 70er Jahre einen 30 m hohen Aussichtsturm. Ein weitreichender Rundblick über Nordhessen und Ostwestfalen ist von diesem Standort möglich. Noch konnte man über die Baumspitzen des Waldes ungehindert hinweg sehen.
Kein Wunder also, dass sich für den Standort auch kommerzielle Betreiber von Funkanlagen interessierten.
So hatte ein örtliches Energieversorgungsunternehmen (EVU) den idealen Platz für eine Relaisstelle seines Betriebsfunknetzes gefunden.
Zwei Mitarbeiter des EVU, die die Betriebsfunkanlagen betreuten, waren Funkamateure, und es kam wie es kommen musste: Ein Digeater wurde geplant. Die Voraussetzungen waren ideal, und so konnte Henning, DG9FU, am 2. März 1988 den ersten Connect mit DBØEAM aufbauen. Der Suffix steht als Referenz für das EVU.
Noch waren alle Aktivitäten und Planungen private Unternehmungen. 1991 kamen die inzwischen zahlreicher gewordenen, interessierten Funkamateure des Gebietes erstmals zusammen, um die Interessengemeinschaft durch Gründung eines e.V. auf rechtlich fundierte Basis zu stellen.

In der ersten offiziellen Mitgliederversammlung am 22. Mai 1992 wurde die Satzung der "Packet-Radio Interessengemeinschaft DBØEAM e.V." (PRIG-EAM) verabschiedet und durch das Amtsgericht Kassel drei Tage später eingetragen.
Die Bäume sind in den Himmel gewachsen, und so kamen die obersten Spitzen inzwischen auf die Höhe der Antennen. Außerdem begann die Turmkonstruktion langsam aber sicher Rost anzusetzen. Ein neu auf den Markt drängendes Mobilfunkunternehmen kam mit der zuständigen Gemeinde überein, den Berg mit einem neuen, wesentlich höheren Mast zu "verzieren". Bedingung der Gemeinde war bei der Vertragsabwicklung mit dem Mobilfunkunternehmen dass die bisherigen Nutzer des alten Turmes kostenfrei auf den neuen Turm weiterhin Platz finden und alle Umbaukosten sollten zu Lasten des Veranlassers gehen. Nachdem die ersten Pläne des Stahlgittermastes auf dem Tisch lagen, meldeten die PRIG-EAM e.V. und neue Interessenten in mehreren Besprechungen ihre Wünsche an. Für den Amateurfunk waren dies acht Richtantennen für die bereits bestehenden Links auf der Antennenplattform in 43,5 m Höhe und zwei Rundstrahler für die Empfänger auf 53 m Höhe.

Turm ganz Im Frühjahr 1999 war der Turm fertig, der Umzug begann: Im Juni 1999 starteten fleißige, schwindelfreie Helfer den kräftezehrenden Umbau der Antennen und Transverter des Digipeaters: auf dem alten Turm 30 m runter und auf dem neuen mehr als 40 m wieder rauf. Henning, DG9FU, und Jochen, DB8AS, waren die Organisatoren für den Umbau und hatten alles zusammen mit Peter, DG5FAU, gut voraus geplant. Nur wenige Tage war DBØEAM QRT.
Der neue Turm bescherte wegen der höheren Antennen den Benutzern nach Betriebsaufnahme bessere Feldstärken auf den Einstiegsfrequenzen. Zu den Einstiegsfrequenzen auf 70cm und 23cm wurde ein 2m Einstieg aufgebaut. Dieser ermöglicht wegen der bergigen Verhältnisse im Raum Kassel vielen Benutzern einen reflexionsfreien HF-Zugang. Weiterhin hilft der vom VFDB-OV Kassel, Z25, betriebene und auf einen neuen Standort im Osten Kassels umgesetzte Digipeater DBØVFK den in Abschattung im Kasseler Becken liegenden Stationen beim Connect in das Packet-Radio Netz.
Mit dem Mobilfunkunternehmen wurde für die Nutzung des Turmes ein Untermietvertrag abgeschlossen. Auch das zuständige Forstamt zeigte sich kooperativ und genehmigte das Befahren des Zugangsweges mit PKW für die Sysopcrew.

Die Standortbescheinigung der damaligen RegTP für das Mobilfunkunternehmen schloss auch die Amateurfunkanlagen ein, also waren keine Gedanken für die Selbsterklärung zu verschwenden.
Die Frequenz 438,400 MHz des Digipeaters ist nach Umschaltung als Notfunkrelais verwendbar. Die insgesamt zehn SEM57-Geräte für die einzelnen Linkstrecken werden im unterkellerten Schalthaus in einem separaten 19-Zoll-Schrank betrieben. Die Transverter für 23cm sitzen, mit 80 m Kabel verbunden, wetterfest unter den Antennen im Turm. Die gesamte Kabellänge, die installiert werden musste, beträgt inklusive der Stromversorgung rund 1500 m, darunter sind allein 16 H155-Kabel für die Transverter der Linkstrecken sowie 2 7/8" Flexwell-Kabel für die Einstiegsfrequenzen. Die kommerzielle Stromversorgung beträgt 48 V DC. Sie wird für DBØEAM mit einem Wandler auf 24 V/50 A umgeformt. Eine unterbrechungsfreie Stromversorgung ist installiert, die auch in Notfällen den Betrieb über mehrere Stunden garantiert. Als Knotenrechner steht ein 486er mit 100 MHz zu Verfügung, die Box und das Linuxcluster laufen mit einem Pentium 100, die Software ist TheNetNode und DieBox von Nord><Link e.V.
In den Spitzen wurden anfangs bis zu 150 gleichzeitige Verbindungen mit einem Datendurchsatz von 52 kbit/s festgestellt. Der Datendurchsatz pro Monat lag damals bei ca. 7 Gigabytes, mehr als 100 Stationen benutzten täglich den Digipeater über die Userzugänge.
Nach den Erfahrungen, die hier im Verlauf der Jahre als e.V. gemacht worden sind, kann den Interessengemeinschaften bei anderen Digipeatern nur empfohlen werden, den gleichen Weg zur beschreiten. Die Satzung der PRIG-EAM e.V. Kassel ist bei DBØEAM-3 in der Rubrik <PRIG-EAM> abrufbar oder hier. Durch die Gründung eines eingetragenen Vereines sind auch die Finanzen einer Interessengemeinschaft, die damals aus etwa 80 Mitgliedern bestand, jährlich kalkulierbar. Es besteht Haftpflichtschutz für den Verein und das Risiko für Einzelpersonen entfällt. Rechtsvereinbarungen sind als e.V. einfacher zu erreichen.
Die Umbaukosten der Technik, lagen bei einigen Zehntausend DM und hätten sämtliche Privatersparnisse und Vereinskassen gesprengt; die vom Verein vorab eingebrachten Materialkosten wurden erstattet. DBØEAM hat also ein solides, rechtliches und finanzielles Fundament.
Die beiden SysOps und ihre Helfer sorgten für störungsfreien Betrieb und Innovationen bei Hard- und Software, der Vereinsvorsitzende für die nicht allzu aufwendige Administration. DBØEAM dürfte somit ein gelungenes Beispiel für eine Zusammenarbeit mit kommerziellen Unternehmen sein, das nachahmenswert ist.
Dennoch ist der Digipeater kein Dienstleistungsunternehmen.

Harald Dölle DJ3AS 08.2000

Nachtrag

Henning, DG9FU, ist am 7. August 2002 plötzlich und völlig unerwartet im Alter von 51 Jahren gestorben. Henning war einer der Gründer von DBØEAM und sein plötzlicher Tod hinterlässt in seiner Familie und bei den PR-Freunden eine grosse Lücke.
DB8AS ist zur Zeit der einzige Sysop, der DBØEAM erfolgreich betreut.
Nach dem Sturm "Kyrill" im Januar 2007 hat sich die Umgebung völlig verändert. Der vorher dichte, hohe Baumbestand rund um den Turm ist dem Orkan zum Opfer gefallen. An Turm und Antennen entstand kein Schaden.
Auch wenn das Internet zu Packet-Radio eine große Konkurrenz oder sogar Ersatzlösung für viele Funkamateure geworden ist, gibt es doch noch einige ländliche Regionen, in denen ein preiswerter, schneller Internetzugang nicht zu erhalten ist. Um den Funkamateuren in diesen Regionen eine Möglichkeit zur Teilnahme an internationaler digitaler Kommunikation zu ermöglichen, wird die PRIG-EAM e.V. alles daran setzen, den Standort und die Links zu Nachbardigipeatern zu erhalten. Schließlich wurde die Technik und Software für PR hauptsächlich von Funkamateuren entwickelt und soll erhalten und weiter gefördert werden. Die örtlichen Voraussetzungen für den Standort sind ideal und nicht von eventuellen Restriktionen seitens der Turmbetreiber betroffen. Auch soll in Kürze die Technik durch moderne Komponenten ersetzt werden.

Harald Dölle DJ3AS 13.4.2008

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